Jugendbauhütte Görlitz feiert ihr zehnjähriges Bestehen

Festakt und Tag der offenen Tür im Scharfrichterhaus

Vor zehn Jahren wurde auf Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Jugendbauhütte Görlitz in der Neißestadt gegründet. Nach Quedlinburg in Sachsen-Anhalt, Wismar in Mecklenburg-Vorpom­mern, Romrod in Hessen und Duisburg/Raesfeld in Nordrhein-Westfalen war sie die fünfte ihrer Art. Inzwischen gibt es dreizehn derartige Initiativen, die in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste e.V. (ijgd) ein Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege organisieren.

Zur Jubiläumsfeier in Görlitz lädt Silke Strauch, Geschäftsführerin des Vereins zur Förderung der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz e.V., am 20. April 2013 ab 10.00 Uhr in das Scharfrichterhaus in der Finstertorstraße 8 in Görlitz ein. Nach dem Festakt mit den Grußworten findet von 13.00 Uhr bis 16.00 Uhr ein Tag der offenen Tür unter anderem mit einem Handwerkermarkt und einem Informationsstand für Bewerber und Interessierte statt. Die Veranstaltung endet mit dem Ehemaligentreffen um 17.00 Uhr. Teilnehmer, Freunde und Partner aus allen Standorten sind zum Feiern eingeladen.

Kaum ein anderes Thema verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in gleichem Maße wie der Denkmalschutz, der die Zeugnisse der Vergangenheit als Quelle für unser heutiges Handeln zur Gestaltung der Zukunft nutzbar macht. Doch jedes Bemühen um den Erhalt des kulturellen Erbes ist nur insofern nachhaltig, als es gelingt, auch junge Menschen für die historische Umwelt zu interessieren. Diesem Ziel dienen die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die dank der kompetenten Betreuung durch die ijgd und dank zahlreicher Partner und Förderer erfolgreich eine handwerklich orientierte Ergänzung zu anderen Freiwilligen Jahren anbieten.

In den vergangenen zehn Jahren verschafften sich in Görlitz 180 von bundesweit über 2.000 Jugendlichen einen theoretisch-praktischen Zugang zu den Aufgabenfeldern rund um den Denkmalschutz. Der einjährige Einsatz hilft vielen jungen Menschen zwischen 16 und 26 Jahren Klarheit zu gewinnen über die eigenen Fähigkeiten und beruflichen Neigungen. Für manchen ist der Freiwilligendienst bereits ein Vorpraktikum für ein späteres Studium. Begleitet von einem pädagogischen Leiter und an der Seite erfahrener Fachleute erhalten die Teilnehmer in Handwerksbetrieben, bei Restauratoren, Architekten, Denkmalbehörden, Museen und anderen Fachorganisationen einen direkten Zugang zur Vielfalt denkmalpflegerischer Aufgaben. Die Jugendlichen setzen sich darüber hinaus mit Fragen des interkulturellen und sozialen Lernens, mit Freiwilligkeit, Selbstorganisation, Emanzipation und Ökologie auseinander. Sechs Seminarwochen vermitteln die theoretischen Grundlagen der Denkmalpflege.

Nach Ansicht von Silke Strauch kommt die „Jugendbauhütte Görlitz“ dem Wunsch junger Menschen nach freiwilligem Engagement in gesellschaftlich relevanten Fragen entgegen. Doch hänge der weitere Erfolg des Projektes wesentlich mit davon ab, in welchem Umfang private Stifter und Spender – wie es beispielhaft vor Ort die „Altstadtfreunde Görlitz“ tun – auch finanziell zu ihrem Fortbestehen beitragen.

Jugendbauhütten

Junge Menschen zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem kulturellen Erbe zu bewegen, ist unserer Stiftung ein besonderes Anliegen. Wir wollen der jungen Generation zeigen, dass Denkmalpflege ein Thema für sie sein kann. Die Begegnung mit Denkmalen eröffnet Jugendlichen Gestaltungsspielräume und entfaltet verschiedenste Talente, so dass Wahrnehmung und Wertschätzung für kulturelle Zeugnisse wachsen können. Wenn es gelingt, auch jungen Menschen die Faszination historischer Bauten, alter Handwerkstechniken und Bauweisen zu vermitteln, hat die Vergangenheit eine Zukunft.

Die von der Stiftung ins Leben gerufenen “Jugendbauhütten” bieten seit einigen Jahren in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst e.V. (ijgd) den Rahmen für ein “Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege” (FSJ Denkmalpflege). Anknüpfend an die Tradition der mittelalterlichen Bauhütten bietet diese Sonderform des Freiwilligen Sozialen Jahres praktische Erfahrungen und eine erste berufliche sowie persönliche Orientierung. Im Rahmen eines Jahres können Jugendliche im Alter von 16 bis 26 Jahren in Handwerks- und Baubetrieben, bei Architektur- und Planungsbüros oder Denkmalbehörden mitarbeiten. In Seminaren werden begleitend Stil- und Materialkunde, Forschungs- und Arbeitsmethoden, Grundlagen der Denkmalpflege sowie die Bedeutung des europäischen Kulturerbes vermittelt. Unabhängig vom späteren Berufsweg nehmen die Jugendlichen die Erfahrung im Umgang mit Geschichte, Originalsubstanz und ihren handwerklichen Fähigkeiten mit.


Bislang wurden 13 Jugendbauhütten eingerichtet: Wismar (Mecklenburg-Vorpommern), Hessen-Marburg, Duisburg/Raesfeld und Soest (beide Nordrhein-Westfalen), Görlitz (Sachsen), Mühlhausen (Thüringen), Quedlinburg (Sachsen-Anhalt), Berlin/Brandenburg und Stralsund/Szczecin (Mecklenburg-Vorpommern und Polen). Im September 2009 wurden drei weitere Jugendbauhütten in Regensburg (Bayern), im Landkreis Stade (Niedersachsen) und speziell für die Gartendenkmalpflege mit Sitz in Potsdam eröffnet. Zum 01.09.2011 nahm die Jugendbauhütte Lübeck (Schleswig-Holstein) ihren Betrieb auf.

13 Jugendbauhütten sind eine große Chance, Jugendliche für die Bewahrung des kulturellen Erbes zu begeistern. Sie sind aber auch eine Herausforderung für den Träger: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sichert finanziell die Existenz der Jugendbauhütten. Sie trägt alle Kosten, die nicht durch Zuschüsse von Bund, Ländern, Kommunen und anderen Stiftungen gedeckt werden, das sind 150.000 bis 200.000 Euro pro Jahr und Jugendbauhütte. Auch die Einsatzstellen leisten einen Beitrag. Die Zukunft der Jugendbauhütten wird jedoch ganz wesentlich von der finanziellen Absicherung durch weitere Spenden, Stiftungen und der gesetzlichen Anerkennung abhängen.

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